Christine


Christine, bisher glaubte ich, alles sei Krebs. Geschwür, selbst die Zeit. Auch du und ich.
Inzwischen gelangte ich zu der Überzeugung, daß das Leben mehr oder minder eine Geschlechtskrankheit ist, die uns Fieber schüttelt. Und Kunst, ja die Kunst ist ein eitriger Blinddarm, je nach dem akut, reizbar oder zurückhaltend.

Sieh dich an, sieh diesen Schauspieler an, sieh euch an!
Da ist Körper, da ist Stimme. Egoismen die aneinander vorbei wüten und sich einsam treffen und festhalten. Ansonsten Kälte, die Angst macht.
Aufgebläht wie ein Ballon der platzen will, ist die Scheinwelt, die Extravaganz, ich bin ein Typ, ein Künstler mit wächsener Kindheit, die in Monologen herauserzählt wird. Danach bleibt verklärte Kühlschrankliebe, so wie erlernt.
Alles geht weiter, auch der Selbstbetrug. Wie wäre es mit Kaninchen? Aber es gibt zum Glück die Uraufführungen und einsame Lichter im Finstermeer der blockierten Kreativität. Ja, ja schleudern wir uns die Philosophien an den Köpfen vorbei.
Du bist steif Junge. Die schlechteste Rolle die du spielst, ist dein Leben. Auf der Bühne habe ich dich bisher nicht gesehen.

Nicht Herbstblätter, mißratene Weinbergschnecken, die wir nie aßen. Die halbe Schönheit ist gestern ertrunken.
Zwei liegen im Bett und begehen Verrat. Manchmal weine ich geschmacklose Tränen.

Nun bleiben die letzten Wochen. Da war ich ausgesaugt, verbrannt. “Die Abwehrstoffe des Körpers waren verbraucht bis auf das Letzte.” Niemand trägt Schuld. Nichts mit Liebe.
Nein, die alten ertragenen Schmerzen, fast Sadismen aus Egoismus gezeugt. Kein Urteil, es tut nur weh, dieser Gedanke, alles ertragen zu haben. Ertragen weil die Schläge zu schnell und zu heftig waren, um hinfallen zu können. So war es. Ich stand noch aufrecht, als du die Lust verlorst, mich zu verachten, scheinbar stand ich; als du mich dann doch endlich berührtest, zerfiel ich zu Staub wie eine vertrocknete Sandfigur. Rettungsversuche kamen zu spät.
Sand blieb und die phantastische Möglichkeit der ständigen Wiedergeburten. Sie begann mit Spritzen, organischer Reinigung.
Und ich beginne zu lernen. Zunächst geht es um Menschlichkeit.
12.10.1983




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