Miniaturen


Alltag Berlin-Ost

Über meinem Haus dröhnt die letzte PANAM für heute, natürlich versteckt in den Wolken.
In der Staßenbahn traf ich eine Holländerin. Konnte mich kaum noch an sie erinnern, es war wohl auf einem Hoffest vor einem Jahr.
Barbara hat einen neuen Freund. Er raucht Camel und schläft jetzt in unserem verdammten Bett, zumindest bis zwei Uhr morgens, dann kann er den Hundegang am Grenzübergang machen. Barbara hat keine Probleme mehr, ihre Loreal-Haarkur zu bekommen. Ich konnte ihr nur Wella für meine paar Westkröten kaufen.
Unten auf der Straße fahren die Polizeiautos nervös Streife. Richtig leben auf der Straße, wenn man die armen Streifenläufer mit rechnet. Und rücksichtsvoll sind sie, bei der letzten Straßenschlägerei vor der Eckkneipe sind sie vorsichtig um die Streithähne herumgekurvt. Sie hatten einen wichtigen Auftrag; denn eine Straße weiter hatte sich ein Betrunkener zu nah an die Mauer verirrt.
Und ich? Ich sitze in meiner halbfertigen Wohnung, die der Vormieter in seinem letzten Jahr in der DDR heruntergewirtschaftet hat und warte auf Gordana. Sie ist Jugoslawin. Wahrscheinlich war es die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Zumindest bin ich fasziniert von ihr, hätte Lust sie näher, lange kennen zu lernen. Sie hat Angst vor Gefühlen. Verständlich, nächste Woche muss sie zurückfliegen. Unsere Chance auf ein Wiedersehen, geschweige denn für eine Beziehung, sind über den Daumen gepeilt, sehr gering, wenn nicht gleich null. Gordona sagte, komm besuch mich, doch das ist nicht möglich, seitdem ist sie deprimiert. Für mich ist das normal, dennoch ist wieder einmal der Punkt erreicht, an dem ich nur noch laut lachen kann, nicht zu laut, versteht sich, ansonsten klopft es über mir, ich störe die Stille und die Polizeistreife erteilt mir ein Strafmandat wegen ruhestörenden Lärms.
Aug. 1986

Ein ganz normaler Tag

Ein ganz normaler Tag.
Nichts war zu tun. Die erdrosselten Sehnsüchte erwachen durch das klingeln des Weckers.
Die fragwürdige Hoffnung ermöglicht die Nahrungsaufnahme.
Nichts ist zu tun. Nur das Umschaufeln des Sandbergs von der einen Seite zur anderen, ein lebenslang.

Wenn du deinen Schatz nicht rufen kannst, dann Schrei!
Bist du erstickst, denn niemand hört dir zu.
Schallisoliert.
Und somit bleibt nur die Beobachtung des Vogelflugs, das Graben des Maulwurfs, die Falschheit der Schlange, die List des Fuchses und die Freude am Menschsein, vorerst und das Schulterklopfen der Humanpsychophaten – es wird schon, geben sie sich Mühe! Im Leben gibt es immer Träume, die sich nicht erfüllen.
Es ist egal. Wichtig bleibt nur diese Handvoll Leben, die zwischen den Fingern zerinnt – wie Sand.
Es steigt die Sehnsucht nach der Zärtlichkeit des Stacheldrahts.
30.07.85

Aufenthalt

Aufenthalt – keine Theaternachrichten! – Ungarischer Mokka ohne Milch – Milchhimmel – Milchsamstag – auch Menschen

Reinigung – Nimm fort die Erinnerung, verkläre die Gesichter, kühle das Fieber,
nimm mit das Leid, die Angst, die Hast, die Traurigkeit, das Gestern, nimm mit!
Befähige mich zu empfangen… mach mich frei…
Mein Schritt wird sicher, der Taumel weicht – doch Not “Salon Christine” mir gegenüber – ” das Schönste was es gibt, mit dir im Wasser lieben” –
Laß mich Lieben, enthaltsam den Reichtum meiner selbst, den Augenblick, das Gute!
Juli 1983

gegenwärtig
für Elke

Unleugbar ist mein Bedürfnis Dir ein Gedicht zu schreiben.
Zumal es ein Woltersdorf gibt, bist du Begleiterin, auch in Abwesenheit, Sammelpunkt.
Doch die große Kiste mit Sentimentalitäten birgt für mich nur Unfähig. Zwang zu neuer Sachlichkeit! Schnörkel haben etwas von Selbstbetrug und Lüge. Dazu haben wir keinen Grund.
Ich verzichte auf Wortneuschöpfungen, möchte mehr sein als Klischee, auch ein Gramm zwingender, unbekannter, würde dich gern für mich ganz einnehmen wollen.

Es ist gut, wenn du bei mir bist / Versuchung / Wagnis im Dauerlauf / Balance meiner selbst / Neugier / Produktives Nachdenken / Türen fallen nicht ins Schloss / wohldosiertes Lächeln / Oktoberregen in deinem Haar ist schön / deine Hände tragen den Mond.
Mag sein, ein neues Leben wäre gut, hinüberwachsen ein Traum. Mathematik ist so herrlich logisch, Note Drei auf meinem Zeugnis. Möchte zärtlich zu dir sein, Dich eines Tages lieben.
Am Morgen wachst du auf.
In der Woche des 27. Oktober 82

Weingläser

Am Morgen nach dem Fest, Katerstimmung.
Die Aschenbecher voll sinnloser Zigarettenreste.
Auf dem Tisch klebrige Kreise von Gläsern. Leere Flaschen.
Aus dem Radio die Sonntagsmorgenmelodie.
Auf dem Fensterbrett stehen zwei nicht bis zur Neige geleerte
Weingläser. Unbeachtet. Das eine trägt die Spuren von rotem Lippenstift.
Das Weinglas erzählt: Morgens Frühstück. Mittags Mittag. Abends Abendbrot.
Eine Tasse Tee vor dem zu Bett gehen. Gelegentlich ein Blick zur Uhr. Das sind die Tage.
Vor dem Haus die Straßenbahn. Ein Abfahrtssignal, Monoton schließen sich die Türen.
1983

Ein Song über L.A.

Ein Song über L.A., ein warmes Bier. Die Narretei heute Abend in den Container geworfen. Ein Tief nennst du das? Das ist ohne alles, verstehst du, Selters pur, nur etwas abgestanden.
In der Nacht treiben die toten Blätter unten auf der Straße ihr raschelndes Spiel. Taxis kommen und fahren vorbei. Da sitzt niemand drin und immer noch der alberne Zettel an der Tür, komme gleich wieder. Das will niemand wissen.
Kein Unglück. Selbst gewählt, aber nicht die Langeweile, diese Müdigkeit. Keine will sie vertreiben, sie mildern. Freundschaft ist nicht gefragt, man muss wohl mit Liebe um sich werfen, mit der süßen Lüge von Gemeinsamkeit.
Vielleicht bin ich krank, extravagant, zu viel Überdruss gesammelt.
3.10.86

Krankenhaus,

Spritzen, gute Pflege,
die Organe werden wieder fit gemacht.
ja, ja, doch die Mauer ist noch da!
Mauerkrankenhaus.
Blick frei über die Sicherungsanlagen.
Menschen bewegen sich auf der anderen Seite,
und du bekommst die Spritzen, damit die Organe gesunden und hörst die Stimmen, meist von Kindern, die Spielen auf der anderen Seite und du willst gesund werden für Jutta, um später zu ihr auf die andere Seite zu kommen.
Oktober 1983

Sterben und Tod sind immer nur einen Atemzug von uns entfernt. Heute früh die üblichen Spritzen. Bruchteile von Sekunden Erstickungsnot, eine Art Lähmung, es ging vorbei.. Und eigentlich war kein richtiger Schmerz dabei, nur eine Berührung vom Ende. Und der Arzt ging darüber hinweg. Seltsam, es könne nicht sein.
13.10.1983

Irgendwo ist mein Ziel und es zieht mich hin. Du liegst auf dem Weg dorthin, aber du bist nicht das Ziel.
15.10.1983

Wir wollten AUS DER Stadt nach Woltersdorf. Wir fuhren die A1 und jetzt die B1 stadtauswerts Richtung Biesdorf. Wir wollten dort rechts abbiegen und nach Köpenick fahren. Diese Strecke erschien uns als die Beste. Wir fuhren also und mussten das Stadtausgangsschild passieren um ungefähr zweihundert Meter weiter rechts abzubiegen. Wenige Meter hinter dem Stadtausgangsschild wurden wir gestoppt. Polizei hatte uns angehalten und konntrollierte unsere Ausweise. Jutta war aus dem Westen und hatte nur eine Einreise für Ostberlin. Deshalb wurden wir durchsucht. Das Auto. Jutta musste eine saftige Strafe in Westwährung bezahlen. Ich glaube es waren 90,-DM.

In Closterin zu den Sommerkonzerten lagen wir auf dem Rasen des Klosterhofs. Die Sonne schien. Die Stimmung war ausgelassen. Neben uns lagen zufällig alte SEW-Genossen, die Jutta von früher kannte. Sie erzählten das sie in der DDR Urlaub machten, mehrere Wochen bezahlt bekommen.

Ines fragt: Warum sollst Du mir schreiben?
Ich habe ihr Wort beherzigt, also schreibe ich nur so für mich.
Die Gedanken sind frei, manchmal
meine Selbstgespräche
gehören Ines – dagegen ist nichts einzuwenden.

Vogelflug

Ich beobachte den Flug des Vogels, das
Graben des Maulwurfs, die Falschheit
der Schlange, die List des Fuchses und freue mich über die Dummheit des
Menschen. Es gib immer einen Aus-Weg!
26.07.86

Das Glück des Fußabtreters

Ein Fußabtreter hat vor der Tür zu liegen.
Auf ihm werden die Schuhsohlen gereinigt.
Er läßt es zu, denn dafür wurde er hergestellt –
Geduldig sammelt er den Schmutz.
Der Fußabtreter findet keinerlei Beachtung.
Von Zeit zu Zeit kommt die Frau des Hauses, seltener der Mann,
und ganz nach seiner Beschaffenheit wird er ausgeschüttelt oder gereinigt.
Dafür ist der Fußabtreter dankbar und verrichtet weiter seinen Dienst bis er durchgetreten ist.
Dann wird er ohne Aufhebens durch einen neuen ersetzt.
Zögert man einen kleinen Moment beim Fallenlassen in den Müllcontainer, dann, ja dann muß ein Fußabtreter glücklich sein.

Sitzen

Nichts tun, Langeweile, deprimierend. Grün vor der Tür. Dora auf dem Fahrrad, schnell vorbei. Gerade ein Lieferwagen, Hausgro. Zu schnell. Sauerei. Kaffee, viel zu süß. Das Handy klingelt nicht, das feste Telefon auch nicht und mails kommen auch nicht. 

Ich hatte auch niemanden geantwortet. Warum auch. 

Der Mittagsbus hielt nicht. Das ist hier das Dorf durch das man fährt. Hecke langweilig, leben langweilig, keine Aufgabe, keinen Sinn. Das Leben ist nur noch ein Lavel im Computerspiel. Mir Übel vor mir selbst. Bedeutungslos im kranksein. Einfach lächerlich. Das alles eine Farce..

14.01.07

Metzer Straße

Hübsche Straße mit einem kompfortablen Mittelstreifen mit Bäumen, Büschen, 

gelassene Menschen im Straßencafe, Vorgemachtes Interesse und Aktivität. Sich selbst genug. Pose des Gelassenen. Vorbeikommende Bekannte steigern das Gefühl, den richtigen Platz im Leben zu haben. Plakativ für die Anderen in Pose. Und andere vergraben sich im Cafè hinter ihrem Mac, glotzen gläsern hinein. Regungslos. Aha, so wird gedacht. Nach dem Motte, ich denke was, was ich nicht weiß. 

Der Bettler sitzt bettelnd vorm schäbigen Ökosupermarkt mit zweifelhaften Produkten. Jeder wird versorgt.

Mehrmals am Tag vagabundiert das Ordnungsamt in Gruppen. Frech, rotzfrech, geben zeigen, wer sie sind. Tätowierte, kurzgeschorene, verfettete, Komparsen für einen Knastfilm, auch hübsche Frauensind darunter. Mancher wirkt dienstbeflissen, die meisten aber desinteressiert. Sie vereint ihr Intelligenzquotient.

Ein portugiesisches Café. Die Inhaber hatten einst einen schönen Urlaub in Portugal.

Ich sitze und mir fällt nichts ein. Ich sitze mit angezogenen Beinen auf dm Sessel. Ich zappe zwischen Familienduell auf RTL und den Spielständen der Bundesliga auf  dem ARD- Videotext herum. Dabei  fällt mir mehrmals die Fernbedienung aus der Hand und klatscht auf den Holzfußboden. 

Ich beschließe nicht mehr auf der Straße zu gehen, zu lächeln oder gar zu lachen. Mein Lachen ist ein ironisches Lachen. Ich kann über die Lachen, die meine Umgebung nicht lustig finden. Deshalb will ich es sein lassen.

Bratpfannen

Wir haben viele Pfannen! Pfannen für Steaks, Pfannen für Bratkartoffeln. Pfannen für Gemüse. Pfannen aus dem Sonderangebot, Pfannen aus Verkaufsaktionen, vom Fachhändler.

Sie sind beschichtet, blitzblank aus Edelstahl, mit geriffelten Boden. Alte und sehr alte Pfannen.

Bei einer ist die Beschichtung schon ganz abgescheuert, an der anderen wiederum sind noch Reste davon zu erkennen.
Barbara’s Lieblingspfanne ist die Älteste in unserem Bestand. Mein Favorit ist die, in der sich die Beschichtung mehr und mehr löst.

„Ihre“ und „meine“ hatte ich endlich neben unseren Müllkübel gestellt, nachdem ich eine neue, laut Beipackzettel „mit hervoragenden” und „die Küche revolutionierenden Eigenschaften“ gekauft hatte. Es verging nur einen Tag, da stand Berbaras wieder blitzblank bei den anderen. Als ich das, nach wiederum einen Tag bemerkte, stellte auch ich meine Lieblingspfanne wieder an ihren Platz. Das wäre gegenüber meiner Pfanne einfach ungerecht, hätte ich sie nicht auch wieder zu den anderen gestellt. Abgewaschen versteht sich. Meine brät nun mal am besten!

So benutzt Barbara weiterhin ihre, die mit dem geriffelten Boden. Wir diskutieren häufig darüber, welche unserer beiden Pfannen am besten ist, ganz wissenschaftlich. Jedenfalls ist es so, dass ich mehr und mehr Barbaras Favoriten einsetze und meine Spezialpfanne allmählich unter allen anderen verkümmert. Wenn mir das bei meiner Auswahl einmal bewußt wird und ich dennoch zu Barbaras Pfanne greife, ärgere ich mich über mich. Resignation und Wehmut ergreift mich und ich sage mir, Thomas, Du musst Dich emanzipieren!
Deshalb habe ich einen Wok gekauft.

Jan. 2014

Dorf

vom ersten Haus bis zu den Glascontainer am Friedhof sind es 650m. Am Tag eine handvoll Menschen. Güllefahrzeuge hämmern  auf der Dorfstraße an den Häusern vorbei. Vitrinenklirren.

So ist es.

25.11.2015

Requiem

Umwege, holprig, spannend, umständlich, bequem. Sehr spät den Weg in die Harmonie gefunden. Das Gefühl, erst jetzt und schon ist es vorbei mit mir. Aus momentaner Sicht gibt es genügend Halteampeln, die ich nicht beachtet habe. Manchmal  zu schnell gefahren, manchmal leichtfertig überfahren, manchmal überhaupt nicht gesehen. Ich habe halt gelebt. Mein nicht einfaches Leben. Immer auf dem Sprung nach Glück. Jetzt in der größten Zufriedenheit meiner Existenz sind die Konsequenzen nun eingetroffen, die ich schon damals erahnte und bewußt ignorierte. Damals mußte es so sein und eigentlich ist alles folgerichtig. Und trotzdem, jetzt ist es da, dieses Gefühl tiefer Genugtuung.  

Barbara mein Halt, meine Liebe, meine Zufriedenheit.

01.09.2016

Ich habe mir heute eine Fliegenklatsche geschenkt. Seitdem bin ich glücklich.

10.09..2016

Oderbruch menschlich

Erwachsene Männer tragen die Sonntagswerbezeitungen aus.
Autos fahren entweder zu schnell oder zu langsam
B kennzeichen sind unbeliebt,
diese Autos werden diszipliniert.
Im Billigsupermarkt bilden sich Gruppen. Einkauf im Familienrudel, man trifft sich. Aus zwei Familien werden gern 10 Personen. Rudelbildung.
Man kann die Männer denken sehe: im Baumarkt.
Bambushecke, Lichterkette

11.01.2016

Zeitenstopp

Wo bin ich angelangt?

da wohne ich jetzt in einer anderen Dimension, hoch oben in der 18 Etage.  Unten rülpst und furzt die Stadt gewaltig, wird zu einem harmlosen Geräuschteppich. Eigentlich sympathisch.

Manchmal steige ich hinab per Fahrstuhl.

Super Themen. Mit meinem Rollator, Rollstuhl noch nicht. Kein Stock, der würde mir nicht helfen. Wenn ich sitze ist alles in Ordnung. Ich bin behindert. Grad 3, wie immer nicht der beste und nicht der schlechteste. Wie immer. Bin Mittelmaß.

06.06.2018

Kurz vorm Abkacken

ich ruhe mich aus, erinnere mich an früher, das  irgendwann Mal. Hoffentlich wird es nicht so schlimm. Wann wird es sein? Sicher demnächst, nicht mehr allzu lang. Bezieheungsglück. Kurios. Die beste Zeit mit Barbara. ich genieße jeden Augenblick mit ihr, möchte, das sie sich gut an mich erinnert. Bedingungslos liebe ich jede Faser von ihr. Ich möchte eins sein mit ihr. so lange es geht! Tod, warte! Des Rätsels Lösung. Später. Mir ist kalt, so frostig in meiner Haut.

07.07.2018

Panikraum

Leben ohne Notausgang. Zu Ende gehen diesen Weg, der nie richtig begonnen hat. Alles nur Entwürfe.  Wahnsinnsträume.Plätze an denen früher Leben war, Erinnerungen hängen und nun

ein Nichts. Leer, so unsagbar leer in mir. Leben war irgendwie und auch Schönheit war dabei und nun? Ich kann nicht ausbrechen. mein Leben wie ein schönes Zimmer. Ich habe den Schlüssel ausprobiert. Ich begreife endlich: Der Schlüssel will nicht passen.

Warten darauf wie mit mir verfahren wird. meditieren, Trost. Es ist nicht einfach zu gehen, hier loszulassen von dem liebenswerten Kram, der mich so nervt. Mein Platz, kein Platz.

26.11.1018

Gerührt

ich rotze in die Kaffeetasse, weil ich beim Kaffee trinken, an Dich denke.

dass liegt an der roten Morgensonne, bei der die Engel Himbeerkuchen für uns backen.

29.11.2018

Ein Freund

Hey, du warst mein Freund, der absolute Vertraute in den starren Jahren in Ost-Berlin für mich. Zumindest glaubte ich das bis zu diesem Anruf, als an einem Sonntagmorgen 2014 das Telefon bei mir und meiner Frau klingelte. 

Damals in den Achtzigern kanntest du alle, ich niemanden. Du hattest jede Menge Freunde, ich nicht. Du warst umschwärmt und ich, naja, leider kaum. Du brauchtest Bewunderer, ich Orientierung. Außerdem warst Du dort wo ich hin wollte. Also bewunderte ich dich.

Waren wir deswegen Freunde? Die Ostjahre hindurch sah es so aus.

Vom anderen Ende jetzt die charakteristischen sächsischen Töne mit Berlin-Attitüde. Du sagtest: „Hallo, icke bin’s.“

Nach fünf Jahren ohne jeglichen Kontakt war mir sofort bewusst, du bist es, mein Freund. Wie eh und je klangst du kumpelhaft, sympathisch unbeholfen. Ich musste über dein „icke“ schmunzeln.

Ganz unvermittelt plappertest du erleichtert: “heute (am Sonntag?!) hab ich’s erfahren, du warst nicht bei der Stasi!“

Plötzlich wurde mir deine Distanz während der Feier zu deinem 60. Geburtstag verständlich. 

Erleichtert antworte ich: „Hättest du  mich danach gefragt, dann hätte ich es dir auch sagen können. Wie kommst du eigentlich an meine Akten?“

Deine Antwort klang unglaubwürdig: „Als Journalist darf ich das. Gerade habe ich einen Anruf erhalten, der mir das gesagt hat.“ Seltsam, an einem Sonntag und du Journalist? Du machst Fotos und lesen war noch nie deine Stärke, Bildjournalist.

Mein vermeintlicher Freund, du Oberdissident, du spieltest in meinen Verhören durch die Stasi kaum ein Rolle. Höchstens gab es Nachfragen wegen dem verwahrlosten Kinderzimmer deiner Tochter. Das Kopfschütteln der Vernehmer war ehrlich gemeint – ein Kind so zu vernachlässigen, das muss niemand in der DDR, war ihr Meinung. Sie würden nichts dagegen unternehmen, die Behörden, da sie befürchteten, es würde medial ausgeschlachtet werden als Repressalie gegen Andersdenkende.

Nun frage ich dich: Ist es nicht das Gleiche, dein illegales Wühlen in meinem Leben jetzt und das dumpfe Lesen meiner intimen Briefe durch die Stasi damals? Du hast mein Leben gelesen, meine Stasiakte! Meine Person wurde somit zweimal missbraucht. Wenn’s anders ist, zeig mir den Unterschied! 

Mein Freund, mies ist mies. Und ich habe mich geirrt in Dir, du falscher Freund!  

25.02.2019

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