Fabeln und Märchen aus dem Serbokroatischen nacherzählt


Der Bauer und die Kutsche

Ein Mann fuhr mit seiner Kutsche sehr schnell einen Landweg entlang. Unterwegs traf er einen Bauern. Ihn fragte er, wie weit es noch bis zur Stadt sei. Der Bauer hatte ihn kommen sehen und antwortete ihm: „ Wenn du langsam fährst, wirst du noch heute die Stadt erreichen, doch wenn du schnell fährst, erst morgen.“
Der Mann war sehr wütend über die Antwort, peitschte die Pferde und jagte weiter in Richtung Stadt. Nach einer Weile brach durch die schnelle Fahrt ein Rad.
Der Mann hatte kein anderes Rad bei sich und da es dunkel wurde, musste er unterwegs übernachten. Am nächsten Morgen ging er in das nächste Dorf, kaufte ein Rad, brachte den Wagen in Ordnung und fuhr dann langsam in die Stadt.

Die einigen drei Brüder

Vor sehr langer Zeit lebten in einem Dorf zwei Brüder die immer zusammen hielten und sich niemals stritten. Sie gingen gemeinsam in den Wald, um Holz zu hacken, bearbeiteten gemeinsam die Erde und fuhren gemeinsam die Ernte ein.
Das ganze Dorf bewunderte sie, weil sie so einig waren.
Es verging viel Zeit. Eines Tages sagte der ältere Bruder: „ Ich sehe wie die anderen Leute sich immerzu streiten und wir vertragen uns immer. Wir sollten uns einmal streiten!“ „Gut“ antwortete der jüngere Bruder, „aber worüber sollen wir uns streiten?“
Ja wirklich, es gab nichts worüber sie sich hätten streiten können. Doch sie wollten einmal erleben wie es ist, wenn sich die Leute streiten. Sie gingen zu dem Apfelbaum auf ihrem Feld. Der jüngere Bruder kletterte hinauf und als der ältere Bruder ihn aufforderte, herunter zu kommen, tat er es ohne Wiederrede, da er es gewohnt war, auf seinen Bruder zu hören.
„So werden wir uns niemals streiten“, meinte der ältere Bruder,“warum kommst du herunter und bleibst nicht oben sitzen? Diesmal klettere ich auf den Baum!“
Als er oben war, fragte der jüngere Bruder, weshalb er auf den Baum geklettert sei und forderte.“Komm wieder herunter!“ Als er sah, das der andere oben blieb, sagte er, „gut, wenn du auf dem Baum sitzen bleiben möchtest, dann tue es“ und lehnte sich an den Baumstamm und wartete.
Als es dem älteren Bruder zu langweilig wurde und er es nicht mehr auf dem Baum aushalten konnte, kletterte er wieder hinab.
So konnten sich die zwei einigen Brüder niemals streiten und lebten noch viele Jahre glücklich in ihrem Dorf..

Die drei Jäger

Es waren einmal drei Jäger. Zwei trugen keine Waffe, der Dritte hatte kein Gewehr.
Sie gingen auf die Jagd und sahen drei Hasen. Zwei sind weggelaufen, den Dritten haben sie nicht erschossen. Den sie nicht erschossen haben, nahmen sie mit nach Hause.
Unterwegs kamen sie an ein Haus, das keine Wände hatte und kein Dach. Sie riefen den Wirt, der nicht da war und sagten zu ihm: „Bitte bring uns einen Topf, wir wollen den Hasen kochen.“
Der Wirt antwortete:“Ich habe drei Töpfe, zwei sind gebrochen und der dritte hat keinen Boden.“
„Sehr gut“, sagten die Jäger. Sie nahmen den Topf ohne Boden und kochten darin den Hasen, den sie nicht erschossen hatten. Sie aßen mit Genuss und gingen weiter.

Der Spatz

Ein Spatz schlief ruhig in seinem Nest unter dem Vordach eines Hauses. Er träumte von vielen schönen Vögeln mit bunten Federn, die um ihn herum tanzten. Der Spatz seufzte, „was bin ich für ein armer Vogel! Ach hätte ich doch schöne bunte Federn.“ Kaum hatte er das gesagt, bekam er bunte Federn. Vor lauter Glück fing der Spatz an wie eine Lerche zu singen und flog schillernd über die Wiesen. Er setzte sich auf einen Stein und vor lauter Freude bemerkte er nicht, das eine Schlange ihn fangen wollte. Fast wäre es zu spät gewesen, doch im letzten Augenblick konnte er noch davon fliegen. Kaum war er in der Luft, sah ein Jäger den wunderbaren Vogel und wollte ihn jagen.
Als er auch dem Jäger entkommen war und völlig erschöpft zwischen den Zweigen sich versteckte, sagte der Spatz:“Umsonst habe ich mich gefreut! Wie gerne würde ich in meinem altem Nest unter dem Vordach sitzen und ein grauer Spatz sein!“
In diesem Moment erwachte der Spatz aus seinem Traum und war glücklich darüber, das er noch der Alte war.

Der Fuchs, der Igel und der Maulwurf

Ein Maulwurf und ein Igel waren miteinander befreundet und sie beschlossen, gemeinsam ein Feld zu bestellen. Der Maulwurf wollte den Acker pflügen und der Igel sollte säen.
beide waren sehr fleißig und hatten eine reiche Ernte.
Nachdem der Weizen gedroschen war, wollten sie das Korn und das Heu teilen. Der Igel verlangte mehr, da er sich mehr angestrengt hatte als der Maulwurf. Doch auch der Maulwurf beanspruchte mehr von der Ernte, da seine ganzen Nägel gebrochen waren.
Sie stritten sich und es gab niemanden, der ihnen hätte helfen können. Der kam der Fuchs des Weges und sie erzähltem hin, weshalb sie sich streiten.
„Also, ihr habt 9kg Weizen und etwas Heu“, sprach der Fuchs. „Ich zeige euch jetzt wie man teilt!“
„Du mein Igel“, fuhr er fort, „bekommst das Heu damit du bequemer schlafen kannst. Und du mein lieber Maulwurf bekommst 1kg Weizen, das reicht für den ganzen Winter. Den Rest nehme ich,. So ist gerecht geteilt!“ Das sagte der Ruscha und verschwand.

Der Kürbis und die Pappel

Ein Kürbis wollte hoch hinaus. Er wuchs aus einem Pappelbaum empor und als er schon sehr hoch gewachsen war, fragte der Kürbis die Pappel, wie alt sie denn sei. „30 Jahre“, antwortete die Pappel. „Da bist du ja wenig gewachsen. Wenn ich dreißig Jahre wachsen würde wie du, dann würde ich den Himmel erreichen können!“ Der Baum raschelte mit seinen Blättern; er hatte in seinen dreißig Jahren schon viel gesehen und antwortete dem Kürbis, das er den Monat noch nicht zu spüren bekommen hat“Wer ist denn dieser August“, fragte der Kürbis hochnäsig. „ Wenn er da ist , wirst du es schon merken“, sprach die Pappel und schwieg fortan.
Als es August wurde begann der Kürbis zu jammern. „Oh, mein Kopf tut mir so weh, er ist so schwer.“ „Ich habe dich gewarnt“, wisperte die Pappel, „wenn der August kommt, wirst du nicht mehr so überheblich sein.“
Und so welkte der Kürbis von Tag zu Tag mehr und trocknete aus und wuchs nicht zum Himmel.

Das Schönste

In alten Zeiten lebte ein Waiser mit seiner Tochter in einem großen Haus, umgeben von einem schönen Garten Das Mädchen spielte im Garten, lief durch die Zimmer und war sehr glücklich, bis sie eine Tür entdeckte, die immer verschlossen blieb.
Sie fragte den Vater nach der Tür und bat: “Lass mich die Tür öffnen, sicher befindet sich dahinter das schönste aller Zimmer!“
„Ja, meine Tochter, hinter dieser Tür befindet sich wirklich das Schönste“, sagte der Waise, aber du bist noch zu jung, um zu erkennen was das Schönste ist. Erst wenn du alt genug bist, wirst du das Zimmer betreten dürfen.“
Das Mädchen wurde größer und fragte immer wieder nach dem Zimmer und ließ dem Vater keine Ruhe, so lange, bis er ihr den Schlüssel gab. Das Mädchen ging in das Zimmer hinein und entdeckte einen Spinnrocken, eine Spindel und ein Buch. Sie war sehr enttäuscht davon und lief zu ihrem Vater, erzählte, das nichts im Zimmer sei, als ein Spinnrock, eine Spindel und ein Buch.
„Aber gerade das ist das Schönste“, sagte der Waise, dieSpindel und der Rocken sind die Arbeit und das Buch – das Wissen. Es gibt nichts schöneres auf der Welt, weil das Gute nur durch Arbeit und das Wissen geschaffen wird.

Wer ist der Dieb

Ein Mann stahl ein Schaf. Der Besitzer merkte das und meldete den Diebstahl dem Dorfschulze ließ die Bewohner des Ortes zusammenkommen und sagte zu ihnen: “Diesem armen Menschen hat einer von uns ein Schaf gestohlen. Der, der es war, soll sich selbst melden. Wir verzeihen ihm“
Alle schwiegen. Dann sagte der Dorfschulze: „Wir werden den Dieb leicht entdecken, wenn er es nicht freiwillig zugeben will“, und gab jedem Bewohner eine Rute, die jeder über Nacht bei sich behalten sollten. Bevor er sie nach Hause entließ, erklärte er ihnen, dass in dieser Nacht die Rute des Diebes um einen Zentimeter wachsen wird.
Der Dib konnte die Nacht nicht schlafen. Er musste an die Rute denken und überlegte, stand dann auf und schnitt einen Zentimeter von seiner Rute ab.
Am nächsten Tag als der Dorfschulze die Ruten überprüfte, sah er, dass die eine Rute um einen Zentimeter kürzer war als die anderen, „Das ist der Dieb“, stellte der Dorfschule fest, er wird das Schaf bezahlen.“
Dem Dieb blieb nichts anderes übrig, als seine Tat zuzugeben und den schaden zu ersetzen.

Der stolze Mann

Durch eine kleine Stadt ging ein Mann, der auf seinem Rücken ein Bündel Reisig trug. Da viele Menschen auf der Straße waren, rief er: “Aufgepasst! Aufgepasst!“
Ein stolzer Mann kam ihm entgegen und wollte ihm nicht Platz machen. Da die Äste lang waren, rissen sie dem stolzen Mann ein Stück Stoff aus seiner Jacke. Da wurde er sehr böse und verklagte den Mann mit dem Reisig.
Vor Gericht fragte der der Richter den Mann mit dem Reisig wie es passiert sei. Aber er schwieg. „Warum hast du mir diesen stummen Menschen gebracht?“, fragte er den stolzen Mann, „wie soll ich mit ihm Reden?“
„Er ist nicht stumm“, erwiderte der, „als er das Reisig trug rief er laut: „Aufpassen, „Aufpassen!“
Wenn es so gewesen ist, weshalb hast du ihm keinen Platz gemacht“, fragte der Richter und entließ den unschuldigen Mann.

Der faule Wolf

Einmal gab ein Mann dem Wolf ein Stück Brot. Der Wolf aß es und da es so gut schmeckte, wollte er von dem Mann wissen, wie es gemacht wird. Der Mann erklärte ihm, dass zuerst die Erde bearbeitet werden muss.
„Und dann kann man essen?“, fuhr der Wolf ungeduldig dazwischen.
Der Mann blieb ruhig und sprach, das man die Erde düngen muss und Samen aussät und wartet, bis der Weizen reif ist. Danach wird er gemäht und gedroschen. Das Korn bringt man dann zum Müller und er mahlt es zu Mehl.
„Und dann ist es fertig“, unterbrach der Wolf erneut.
„Nein. nein“, sprach der Mann und erklärte dem Wolf weiter, das man das Mehl erst kneten und backen muss, ehe es gegessen werden kann.
!So viel Mühe und Arbeit“, sagte der Wolf und verdrehte dabei die Augen. Missmutig entschloss er sich, kein Brot mehr zu essen, auch wenn es noch so schmackhaft sein. Und so lebt der Wolf bis auf den heutigen Tag, ohne Brot zu essen.

Wie der Löwe eine Armee sammelte

In einem großen Wald hatte sich ein böser Riese niedergelassen. Genau dort, wo sich alle Tiere versammelten, um Wasser zu trinken aus einem kleinen Fluss.
Jeden Tag verlangte der Riese ein Tier zu fressen. Dafür lies er die anderen in Ruhe., verwüstete nicht das Land und ließ die Tiere zu Tränke gehen.
Die Not der Tiere wuchs, ein Tier nach dem anderen wurde vom Riesen gefressen, Balls würde es kein Getier im Wald geben.
Da beschloss der Löwe, der König der Tiere, seine Armee zu sammeln, dass sie sich alle gemeinsam gegen den Riesen zur Wehr setzten. So geschah es einen abends, dass der Löwe alle anderen Waldbewohner zu sich rief und sie alle in einer Reihe aufstellen ließ.ß: Nur der Bär stand abseits, weil er sich allein stark genug fühlte, sich zu retten.
„Warum lachst du“, fragte der Löwe den Bären, „gefällt Dir unsere Armee nicht?“
„Nein, lieber Löwe“, antwortete der Bär, „Ich lache nicht über die Armee, sondern über den Hasen und den Esel in euren Reihen. Kann denn der Esel überhaupt ein Gewehr halten, wenn es zum Kampf gegen den Riesen kommt. Und der Hase, wird er nicht vor Angst weglaufen, wenn er dem Riesen begegnet?“
Der Löwe ärgerte sich über den überheblichen Bären, doch ruhig und besonnen antwortete er ihm: „Wenn der Esel kein Gewehr halten kann, so wird er unser Trompeter sein, der die Armee sammelt. Und der Hase wird uns mit seiner Schnelligkeit als Bote dienen. Was sagst du jetzt lieber Bär?“
„Ich habe nichts mehr zu sagen“, sprach der Bär, „Du bist klug, Löwe, deshalb du unser König.“
Daraufhin stellte sich der Bär zu den anderen in die Reihe und noch in der gleichen Nacht besiegten die Tiere des Waldes den Riesen und konnten wieder friedlich miteinander leben.




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