1986 – 1989

Brecht vor dem BE

Das Unterteil
Auf dem er sitzt
Zugleich die Bank –
Sein Arsch hohl,
aufgerissen
ein Mann,
der mit der Flasche sitzt
daneben sagt:
machs gut
Berthold
Und
tätschelt
seine bronzenen
Backen im Gesicht.
18.05.1989

Du bist gekommen

Du bist gekommen
Und ich habe vergessen
Dass ich traurig bin,
ich kann lachen,
bei dir lebe ich meine
Sehnsucht.
Du bist ein Augenblick,
wunderbar und ewig,
dieser Augenblick
heißt Liebe.

Ich bin

der Strand,
du das Meer,
deine Sturmwogen überfluten mich,
ziehen mich zu dir,
bis wir eins sind;
denn gibt es ein Meer
ohne Strand und
zeig mir den Strand ohne Meer.

Dich vergessen? Sag wie?

Du bist die Zauberin,
Du hast mich berührt,
ich bin erwacht und was
ich spürte war Liebe,
ich bin in deiner Hand,
hoffnungslos und gern.
17.08.86

Selbstmörder

Jeder tag ein Selbstmörder,
dreh dich nicht um,
es ist November.
Das Jahr stirbt.
Vollmond auch jetzt,
schlaflos, wirre Träume,
Narkotika im Dämmerlicht.
Das Herz an das Fensterkreuz
Gehangen, abwarten.
Ein Bier, die Stille,
Mittelwelle, fremde Stimmen.
Die Nacht atmet Sehnsucht
Und Erinnerung – Liebe ist ein
Flug, Fall, Sturz in der Nacht
Oder mehr, wer weiß…
Lachen ist eine Fotografie,
das einzig wirkliche.
in einer vollmondigen Novembernacht.
19/20.11.86

Es ist Liebe

Es ist Liebe
Fühlen, so tief
Im Herbst, daß es brennt.
Nächte allein,
nur Du in Gedanken
und ein Traum:
Du und ich auf der
Sternenschaukel,
schwebend durch
die Nacht,
zeitlos.
Es ist Liebe
Ob ich Dich rufe
Oder nicht –
Du bist
Und Atmen.
20.09.86

Polizei

Wie viele Schritte werden es sein
Von einer Straßenecke zur anderen?
Vier Straßenlaternen, sechs dunkle
Hauseingänge
Und ein Mann hält einsam Wacht
Wie viele Schritte in einer Nacht?
Von Kopf bis Fuß
auf Diebe eingestellt
Was mag da vorgehen,
in diesem Kopf mit der
Schirmmütze oben auf ?
Frau und Kinder, ein
heroischer Gedanke, die
Wut über den Vorgesetzten?
Vielleicht ein klägliches Gefühl
Bei den erleuchteten Fenstern,
den Menschen dahinter, die
sich ausruhen von der Hände
Arbeit.
1986

Sterne

Eislichter
Funkeln messerscharf
Bildschirme flimmern
Durch die Gardinen
An der Ecke schlägt sich die Clique
Um die Kneipenschöne
Niemand kommt
Zieht mich vom Fenster
Am Ende einer Stadt bin ich
Aufgehoben.
13.08.86

Der gelähmte Schrei

Der gelähmte Schrei
tausendfach seziert
und die Magistrale
spöttelt mit Licht
im Fallen gehalten durch
das Spiegelbild.
Die Nacht gehört den Träumen,
am Tag ist man allein.
Dazwischen ist Angst.
Erschrecken.
Alles ist nichts und Nichts ist alles.
Was bleibt sind die
Bruchstücke eines Mosaiks an
Erinnerungen, mit denen man
um sich wirft, verletzt,
sich selbst trifft.
Febr. 86

Die Zeit der lästigen Fliege

Abseits die Hektik
Lieblose Liebe
Katastrophe mit Sex
Spiegelung
Laue Trauer
Liegengelassene Schwermut
Meine Person langweilt mich.
1.7.86

Sitzen, warten

Sitzen, warten
Auf wen, auf was…
In den Händen genug Nichts.
Vielleicht ein Tasse Kaffee,
oder tasächlich die Hände bemühen?
Doch es wären neue Tränen,
da es nichts mehr zu Weinen gibt.
19.08.86

Zu früh geboren

Zu früh geboren.
Niemand hat an meinen
Genen herummanipuliert,
niemand hat mich
programmiert,
auf ein dynamisch-problemloses
Leben geeicht.
Doch Versuche laufen.
Es gibt Hoffnung,
aber ich bin verdammt zu einem Leben
Zwischen Liebe und Hass
Mit dem Gewissen als Kompass,
mit Wünschen und Ängsten,
unvollkommen – als Beobachter
der null-Serie.
Der Mensch als Wunderwaffe, bald feste
Größe im Wettrüsten.
Ich komme zu spät.
1987

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