Der letzte Fremde


Komm, nimm die Gitarre, komm,
und sing mir das Lied von der
süßen Einsamkeit des Mannes.
Eine Frühlingssonne kriecht über den massiven Eichentisch der spartanisch eingerichteten Mansardenwohnung, über die Dielen, ein kleines Podest hinauf, zu einem breiten Nachtlager. Hier ruht Roland in weißes Laken gehüllt, unschuldig nackt, mit dem Traum des griechischen Jünglings aus grauer Vorzeit.
Adonis erwacht.
Welk, gealtert um Jahrtausende, schlägt er die Augen auf. Zu ihm dringt das Röcheln der Stadt.
In diesem Augenblick eines kurzen Gebets – gib mir Kraft für den Tag, Elend, laß es mich ertragen! – fühlt er sich einsam, da es Gott für ihn nicht gibt. So betet er zu sich selbst.
Flink greift er zur Taste des Hi-Fi Turms, die markante Stimme von Brian Ferry massiert seine Seele, läßt Lied um Lied die Kraft in die Muskeln zurückkehren. Endlich steigt er aus dem Bett, durchquert das Zimmer, hält vor dem Standspiegel, betrachtet seinen Körper, zieht den Bauch ein, streichelt sich über die vorgezogene Schulter, unterbricht erschreckt, sieht in sein Gesicht, betrachtet die Stirnfalten und das lichter werdende Haar. Doch sofort kerbt sich das Siegerlächeln ein, der Blick wird fest, die Hand ist lässig in die Hüfte gestützt. “Euch Gelegenheitsrammlern zeig ich noch allemal, was eine feste Männerhand ist! Mit 44 wird man erst interessant” Damit hat Roland die morgendliche Angst besiegt.
Karolienbewußt ist er zwei Mandarinen und trinkt zum Munterwerden eine große Tasse Kaffee. Dazu liefert der Kofferfernseher das Vormittagsprogramm als Geräuschkulisse und Roland sitzt nackt am Küchentisch und schaut hinab auf die Stadt, hinab auf das Gewürm.

Gestärkt wirft er den Deckel der Kleidertruhe zurück, holt die Dreißiger und Fünfziger hervor. Auf dem Hacken neben dem Spiegel hängen die Schablonen alter Leinwandhelden.
Wie an jedem Morgen fällt es auch heute Roland schwer, den passenden Typ für seine Stimmung herauszufinden. Er weiß nicht, wie er in diesem Augenblick überhaupt empfindet, und greift nach irgendeiner Hose, zieht sie wieder aus, probiert den Trenchcoat, nimmt den Hut von seinem guten alten Freund Humphrey und ist mit seinem Spiegelbild zufrieden.
Roland streift den Trenchcoat langsam beiseite bis sein nackter Körper, seine ganze Männlichkeit im Spiegel sichtbar wird. Genußvoll betrachtet er seine Hand, die endlich sein Glied fest umspannt und gefühlvoll im Rhythmus des Softsouls der als Backround lockt, die Vorhaut bewegt. Tieraugen blicken in Tieraugen, angriffslustig wie ein Panther vor dem Sprung, sein Kehlkopfvibrato. Doch er beherrscht sich im rechten Augenblick, läßt den zitternden Körper langsam ausklingen, atmet noch einmal tief durch und dann ist es sofort ein leichtes, den Nadelstreifenanzug zu wählen, ein entsprechendes Hemd und die breite Krawatte.
Noch einmal spielt er die passenden Posen durch, zieht den dunkelgrauen Stetson tief in die Stirn, schaut sich fest in die Augen und stellt wie an jedem Tag mit Genugtuung fest, Perfektion ist der Erfolg und der Sieg ist alles. Er schnalzt mit Daumen und Zeigefinger und knirscht durch die Zähne ein Go West, Baby, bevor er schnell die Wohnung verläßt.
II.
Einige Anmerkungen zu Rolands bisherigem Leben. Ohne dramatische Höhepunkte verlief die Kindheit in einer südöstlichen Kleinstadt. Aus mittleren Verhältnissen stammend, gehörte es sich, das Abitur zu machen. Das Studium der Rechtswissenschaften führte ihn in die große Stadt. Über sein Studentenleben ist nur so viel bekannt, das er wegen seiner auffallenden Kleidung, von seinen heimlichen Verehrerinnen “Weißhöschen” genannt wurde. Roland wirkte bereits damsl sehr cool und dadurch sehr anziehend.
Er selbst betrachtet diese Zeit als letzte Gefahr, in verhaßten kleinbürgerlichem Klein-Klein zu ersticken. Aus diesem Grund brach er das Studium noch im rechten Augenblick ab und widmete sich seitdem seinen Lieblingsbeschäftigungen, den Kinofilmen und den Frauen.
Nach einigen Jahren wurde er Kinodirektor und war beruflich am Ziel seiner Wünsche.
Die zweite Leidenschaft, die erwähnten Frauen, könnte man durchaus auch als Schwäche bezeichnen. Auch wäre eine Konkretisierung angebracht. Es waren immer junge Mädchen, um die siebzehn, die ihn reizten. Roland meint dazu, für diese jungen Dinger ist einfach wichtig, an einen richtigen und zwar hedonistischen Mann zu geraten, der sie an das Leben, an die Lust führt. Mit ausreichender Lebenserfahrung ausgestattet, hatte Roland die Verantwortung auf sich genommen, “Entwicklungshilfe” zu leisten, wie er es nannte. Die Ergebnisse sprechen für ihn. Kaum eine hielt seinen Argumenten stand, sie brachen ihre unsinnige Berufsausbildung oder das traurige Studium ab, probierten sich in Gelegenheitsjobs, bis sie nach Jahren zu sich fanden. Zugegeben, einige studierten nach einer Phase der Selbsterfahrung doch das alte Fach, einige wurden nach Irritationen sozusagen polygam Schwanger und lernten wie es als allein erziehende Mutter ohne Abschluß ist. Doch für diese kleinen Betriebsunfälle kann man Roland nicht die Schuld gegeben werden, es gab und gibt einfach viel zu viele kleine dumme Mädchen, die in den alten Gesellschaftsstrukturen verfangen sind, die es gerade zu vernichten gilt. Und es gibt nach wie vor zu wenig gute Männer, die es wirklich ehrlich meinen, deshalb war es Roland nie möglich, einen übernommenen Fall bis zu Ende zu verfolgen.
Im Verlauf des vergangenen Jahres war jedoch eine Veränderung zu bemerken. Roland meditierte nicht selten über die neue Frauen- oder Mädchengeneration, die ohne freie Liebe mit Macht in ihr Unglück laufen wollte, ohne auf ihn zu hören. Der Augenaufschlag war nicht mehr demütig und aufschauend wie früher. Die Blicke wurden zunehmend kälter und aggressiver. Grund genug, seine Hilfe nicht sinnlos zu vergeuden, sondern nur auserwählten zu schenken, die es wirklich verdienen.

Auch dieser Tag verläuft in der gewohnten Regelmäßigkeit. Roland federt lässig über die Fußgängerzone und fühlt sich gut und sicher, wie ein prachtvoller Goodyearreifen, der den Highway unter sich wegrollen läßt, unbeeindruckt. Bis zum Horizont.
Er betritt das Café, in dem er immer einige Kaffee auftankt, bevor er in seinem Kino steht, den Filmvorführer und die Kassiererin anweist und an der Tür die Besucher persönlich begutachtet.
Im Café trifft er seine Liebschaften, nimmt die Lovestory ihren Anfang oder oft ihr bitteres Ende. Mit männlichen Freunden ist es weniger gut bestellt; denn wer könnte ihm schon ein wirklicher Partner sein?
Nur einer genießt seine ganze Symphathie, Christoph, immer strahlend, modisch schwarz gekleidet, stets von schönen blonden und oft größeren Frauen umgeben. Christoph ist für sein Empfinden noch sehr jung, Mitte zwanzig, entwicklungsfähig. Roland beobachtet ihn schon lange, er könnte sein Erbe antreten, ihm würde er gern Ratschläge geben. Heute wäre die Gelegenheit endlich einmal gründlich miteinander zu reden. Christoph sitzt allein am Tisch. Roland geht auf ihn zu und begrüßt ihn mit einem müden Lächeln. Christophs Hand schlägt er aus und meint, “Du weißt doch, das ich das nicht mag, das hat etwas von widerlicher Vertrautheit”, dabei sitzt er, zum Schaufenster heraus auf die Fußgängerzone blickend, ihm gegenüber. Christoph hat dieselbe Angewohnheit. Auch das mag Roland an ihm. Die vorbei eilenden Frauen werden teilnahmslos begutachtet. Keiner der beiden verrät ein Gefühl. Ebenso sprechen sie zur Fensterscheibe gerichtet über Filme, Feten, Konzerte und die rätselhafte Frau mit dem perfekten out fit. Christoph hat diese erste Prüfung mit Bravour bestanden. Ohne Übergang nach einer längeren Pause fragt Roland: “Conny hat eine Freundin, die Anja, du kennst die zwei, hättest du nicht Lust, mit uns Essen zu gehen?”
Christoph fällt nichts besseres ein, “warum nicht, Anja scheint ganz lustig zu sein”, zuckt mit den Schultern und nimmt an.

III.
Christoph steht aufgeregt im Restaurant und versucht Anja und Conny zu entdecken. Die vergangenen zwei Tage seit der Einladung hat er nur Anja vor den Augen gehabt, ihr sinnlicher Blick, ihr Körper, der geradezu nach Berührung schreit, diese Bluse, deren Knöpfe schon vom Hinschauen aufspringen und der hautenge Rock italienischer Länge, alles an ihr war wie kochendes Ketchup. Christoph muß über sich lachen, nur Sex in Kopp du alter Bock, ermahnt er sich kopfschüttelnd als er feststellt, das der Rock gar nicht zu Anja, sondern zu Conny gehört. Da sitzt Roland allein am Tisch. “Ich dachte mir das es besser ist, allein zu essen, mit Frauen läßt sich nicht so gut reden. Die zwei habe ich später in unser Cafè bestellt”, beantwortet Roland die Frage, welche auf Christoph enttäuschtes Gesicht geschrieben steht. “Auch gut”, ergänzt Christoph, “dann wir es billiger”.
Roland ärgert diese Unterstellung und besteht darauf, daß er bezahlt. Im Cafè zeigt sich, das Roland tatsächlich nie eine Miene verzieht. “Immer lässig, immer cool, zum Kotzen”, geht es Christoph durch den Sinn, als er, genauso wie die beiden Mädchen Roland andächtig zu hören. Er ist gerade dabei ihnen von den Nächten zu erzählen, an denen er am Fenster sitzt, Gitarre spielt und die süßherben Songs von Icehous singt. Er braucht diese Nächte, um sich zu sammeln. “Ja und da sprach mich neulich ein Regisseur an, er meinte, ich sei der Richtige für den Baal in Brechts Frühwerk, vielleicht gehe ich vorbei und schau mir an, wer alles noch mitspielt…”
“Mensch, ich war auch einmal Kleindarsteller, ich durfte Zuschauer spielen, das war toll, versuchte auch Christoph ein kleines Erlebnis zum Besten zu geben, doch Roland zorniger Blick schließt seinen Mund. Christoph schaut zu Anja. Sie schenkt ihm ein Lächeln, so als ob sie sagen will, ich weiß, das er ein Idiot ist. Sie schauen sich in die Augen und müssen beide lachen, küssen sich, ignorieren Rolands Monolog. Christoph fährt Anja spielerisch unter die Bluse, sie kreischt und Roland ist entsetzt. Er versucht die drei in ein vernünftige uns abgeklärtes Gespräch zu bringen. Hört mal, hebt seine Stimme an, was haltet ihr beiden davon, links und rechts von meiner Wohnung sind zwei andere frei. Wie wäre es, wenn Anja in die eine und Conny in die andere zieht. Ihr habt doch noch keine eigene.” Christoph wird von ihm ignoriert. Nur gelegentlich trifft Christoph ein verächtlicher Blick.
IV.
Am nächsten Tag zieht Roland gewohnt seine markante Spur durch die Geschichte der Stadt. Er spürt noch die samtene Haut Connys. Wie ist sie sinnlich, geht es ihm durch den Kopf. Er war ihr erster Mann und sie wird nie wieder von ihm loskommen. Davon ist er fest überzeugt. Gleichzeitig bemerkt Roland die lästigen Blicke der Masse, die sich an ihm vorbei wälzt. Seine Lackschuhe reflektieren das Sonnenlicht und der weiße Seidenschal verleiht ihm einen Hauch sensitiver Männlichkeit. Genau das was er heute braucht, wenn er mit der Hausverwalterin wegen der beiden Wohnungen spricht. Sein Charme, die Pralinen und der kleine Flirt machen es perfekt.
Doch zufrieden wie gewohnt kann er nicht sein. Christoph ist nicht das Problem. Wie so viele andere auch wird Roland ihn in die Grauzone drängen. Enttäuscht ist er nur darüber, das gibt Roland unumwunden vor sich selber zu, wie sich die beiden kindisch aufführten, sich derart in der Öffentlichkeit benahmen. Wie Siebzehnjährige haben sie sich gestern abgegrabscht und Anja schien es sogar zu gefallen. Und Anja ist es auch, die ihm wirkliches Kopfzerbrechen bereitet. Sie schien ihm damals nicht reif genug als er Conny und sie kennenlernte. Er wollte sie im Auge behalten und sich solange mit Conny vergnügen. Die beiden in seiner häuslichen Nähe wissen, entsprach ganz seinem Ziel. Es könnte so gut werden, doch da muß er selbst diesen Christoph in sein Spiel bringen. Aber wenn die beiden Mädchen erst direkt in seiner Einflußsphäre sind, wird er diesen Christoph mit der Zeit verdrängen. Davon ist Roland überzeugt, genauso wie er davon überzeugt ist, das Conny und vor allem Anja wissen, was letztlich wirklich gut ist.
V.
Genau wie an diesem Abend hat sich Roland immer eine wunderbare Dreiergemeinschaft vorgestellt. Er sitzt auf der Bettkante und spielt seine traurigen Songs auf der Gitarre. Conny holt den Wein und die Gläser, bereitet einen kleinen Imbiß und er hat währenddessen die Gelegenheit, ungestört in die Sternenaugen seines blonden Traums zu blicken.
Nur Geduld Roland, eines Tages wirst du ihnen gelehrt haben, wie man einen Mann verwöhnt.
Anja hört ihm lächeln zu. Ihr elektrisierender Blick vibriert über seine faltige Stirn, streichelt sein lichtes Haar, umfaßt die etwas zu stark gepolsterte Hüften und reibt seine Schenkel. So empfindet es Roland und auch die leichte Ironie in Anjas Lächeln, verunsichert ihn nicht. Im Gegenteil, es reizt ihn und er weiß, er wird es bändigen. In diesem Augenblick klingelt es an Roland Tür. Anja springt auf. Wie an jedem Abend, seitdem die beiden neben ihm wohnen, kommt Christoph, entreißt ihm Anja für die Nacht. Roland stöhnt. Wie er diesen Kerl verflucht. Doch in einem der nächsten Nächte wird Anja bei ihm bleiben! Roland fühlt sein Ziel näher kommen. Weshalb hält sie sich so oft am Nachmittag bei ihm auf? Sie kann von ihm lernen und wenn er sie ein Mal berührt hat, wird sie wissen, wie Liebe wirklich ist. Das Kichern und kreischen hinter seiner Wand, manchmal die ganze Nacht hindurch, kann es doch nicht sein!
Roland ist mit Conny allein. Er beginnt den beliebten Vortrag über freie Liebe, Emanzipation und Abwasch zu halten. Die Teller sind nicht sauber genug gespült. Conny muß sich mehr in dem Buchgeschäft durchsetzen, ihr Make up passt nicht mehr zu ihrem Typ. Zu sehr hat sie sich bereits verändert. Conny solle sich an ihm ein Beispiel nehmen. Er verändert sich ständig und bleibt sich doch treu.
Conny hat genug. Wütend wirft sie die Tür hinter sich zu und dann ist Stille hinter der Wand, die ihn von Anja trennt. “Bestimmt heult sie sich wieder aus, soll sie, die Drei passen sowieso gut zusammen- das hat man davon, wenn man sich mit Kindern einläßt!”, tobt sich Roland aus, in dem er sein Zimmer durchschreitet wie ein Feldherr vor der Schlacht. “In zwei Stunden kommt sie wieder angekrochen, versucht sich anzuschmiegen und entschuldigt sich. Es ist an der zeit ihr einen Denkzettel zu verpassen…”, das sind Roland nächste Gedanken.
Doch nichts geschieht. Conny ist jetzt in ihrer Wohnung. Nebenan ist es still. Überhaupt ist gar nichts mehr zu hören. Roland wird nervös. Plötzlich hört er Schritte auf dem Gang vor Connys Wohnung. Das ist nicht Anja, das ist Christoph, der zu Conna geht. Roland lauscht an der Wand. Flüstern, ein Seufzen, und Connys gehauchtes Stöhnen…Roland ist erstarrt. In diesen Minuten begreift er nichts. Dann wieder diese Stille, leises Lachen und Schritte über den Flur. Gleich wird es einen Skandal geben, wenn Anja das sieht, die beste Freundin mit ihrem Freund. “Christoph ist ein Schein, ich habe es schon immer gewußt.” Aber kein Streit, keine Handgreiflichkeiten, so wie er gedacht hat. Sondern wieder flüstern, seufzen, stöhnen, lustvoll, ekstatisch… Deutlich hört er drei verschiedene Stimmen, immer befreiter, immer lauter, bis wieder dieses entsetzliche Kichern und Kreischen zu ihm dringt…
Roland versucht sich die Ohren zuzuhalten, hockt in sich gesunken auf dem Boden und versucht, die Beherrschung zu bewahren. Nur die Vorstellung wie sie morgen reumütig zu ihm kommen und wie er Conny dann von sich stoßen wird, gibt ihm die Kraft, diese Nacht zu ertragen.

Den darauffolgenden Tag und den Abend hört und sieht er nichts von den Dreien. Traurig sieht Roland sein Gesicht im Spiegel. Er wartet und wartet. Durch das Fenster fällt das Leichenlicht des Mondes. Gespensterhaft wirken darin die Trümmer seines einzig wirklichen Freundes, der Gitarre, die er gestern so lange gegen die Wand schlug, bis das schreckliche Gefühl, allein zu sein, ihn erschöpft in den Schlaf entließ. Unruhig träumt er von dem Mann, der allein durch den Nebel geht, verlassen von der Welt, um sich eine Neue Welt zu erobern. Der Lärm nebenan reißt ihn aus seinem Traum. Tief in der Nacht beginnt das gleiche Spiel wie am Vorabend.
Roland tritt besiegt und nackt vor den Spiegel. Seine Würde, auf die er immer so stolz war, ist aus seiner Haltung gewichen. Er hört das brünstige Trio nebenan. Mechanisch findet die Hand ihr erschlafftes Ziel. Bitter denkt Roland an das Märchen von Schneewittchen. “War es Schneewittchen”, überlegt Roland, “ach nein”, fällt es ihm, “das war ja die mit dem gläsernen Schuh. Dornröschen, ja Dornröschen”, mußte es sein. Jetzt ist er sich sicher, die Geschichte mit der bösen Fee, die den Spiegel befragte. Nun spricht sein Spiegel und lacht höhnisch… doch der Christoph, da hinter der Wand, der hat einen viel… er darf nicht weiter denken. Tränen rinnen über seine Wangen, mit der ganzen Tragik des Lebens, geht seine Hand zu einem brutalen Stakkato über, bis das Sperma über den Spiegel spritzt und er unter einem mörderischen Schrei vornüber zusammenbricht.
Conny, Anja und Christoph unterbrechen für einen Moment ihr Liebesspiel. Sie schweigen und lauschen, doch nichts mehr ist aus Rolands Wohnung zu hören. Conny streichelt zärtlich Anjas Wange und Christoph ruht in diesem Augenblick zwischen den muskulösen und heißen Schenkeln Anjas.
“Ich hab es doch gesagt”, schließt Conny das Thema Roland ab, ” um ihn brauchen wir uns keine Gedanken zu machen, der hat schon wieder eine neue Dumme gefunden.”

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