Neue Gedichte

In den Pfützen

des Asphalts
der Tag
Warten
auf den Sonnenstrahlmoment
der sich immer
wieder durch Wolken zwängt.
Auf den Weg zum Klo
das Schwanken
27.09.2001

angetäuscht

der tag, die nacht,
ungewissheit.
das ende ist absehbar.
gegenwärtig.
da war ein leben, mein leben,
das Eine.
lustig gelebt,
spannend war es,
ich lebe immer noch,
eingeschränkt zwar,
leben ist dehnbar,
irgendwann ist der Mensch nur noch
Kreatur,
die sich an die Existenz klammert
wie der Wurm, der Vogel, das Wild.
23.11.2006

Von liebe und ewigkeit

War es leben?
War es Alltag?
War es zusammensein?
– Im Bett,  auf der Straße, im Garten
Mit dir am Morgen, am Tag, am Abend
Ich kenne jede Faser von dir,
du bist mir vertraut,
ich sehne mich nach dir,
jetzt, wo ich das schreibe
und immer.
Morgen bist du,
gewiss,
du meine Hoffnung, mein Bangen, mein Klagen (weil sichs reimt)
und dann gibt es dich,
ewig.
23.12.2008

Schnupsi-Pupsi

dein Nacken ist schön,
dein Hals ist mein,
schutzloses Vertrauen,
du Junbrunnenverlangen und
ich Schlüsselbein verliebt,
rein.
deine Schultern,
Arme,
schlanken Hände,
deine spinnenzarten Finger,
schön.
dein Herz schlägt mir aufgeregte Neugierde entgegen.
dein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als ich allein.
dein Mund will küssen, zärtlich.
mädchenhaft, mit 49 Jahren,
unschuldig.
rein.
Gier nach dir-
Arschschwelgerei.
schenkelzart,
weich deine Haut.
ich küsse dich.
05.04.2012

Nebel im August

sacht, friedlich matt
Ein Baum zeigt sein Laub im Überschwang
an diesem letzten Augusttag.
reflektiertes Morgenlicht,
unterkühlt.
Sanfter Morgennebel, kaum sichtbar,
bringt diese verborgene Tagesharmonie.
Samtseelen. Augenblick. Jetzt.
Morgen wird es hier ebenso, ähnlich, gleich.
Und dennoch, für mich wird dann nichts mehr so sein wie es war.
Nicht erahnbar in diesem Moment.
Morgenkraft.
30.08.2014
(Vor der ersten Ablation)

so viel Trauer ist in mir

das Herz,
Ablation, Kardioversion – nichts hat geholfen
und ich liege und sitze
mit Strippen am ganzen Körper und weiß nicht
mehr was das soll.
02.09.2014

Eine junge Frau

noch nicht ganz.
mit all dem Schmerz, der Hoffnung
und
sie möchte glücklich sein.
Im Augenblick. Momentaufnahme.
Suchst das Glück!
Das Leben finden.
Sich selbst spüren.
Sucht auf Leben.
Sich selbst entdecken in den Tiefen.
Schönheit. Augenblick. Gewissheit.
Der Platz ist reserviert. Bis dahin –
Katrin im Dauerlauf.
30.10.2014

Schilfrohr

am Hang zum Wasserrinsal
im Frühling war`s noch abrasiert,
dann wachsen die starken Halme, grünen,
obenauf die Blütenrispe
dem Wind nachgeben, widerstehen, wiegen
hübsch anzusehen.
Herbstgelb,
im Winter Sommerfarbengrau –
Trotz
Erwartung
Rasur der Zottelhalme im Februar
Zeit für neue Triebe.
20.11.2015

Dorfalltag

Comicleben
Alte Männer in Handwerkerpose,
Sprache laut, silbenarm,
derb
Allwissend bei Ackerbau und Viehzucht,
aber auch sonst
Abwehr der Städter – die können nix und wenn doch, dann
ist es kein Wunder, „in der Stadt, na die haben Geld.“
Der faule Tischler Frank,
vierzigjähriger noch dazu
schiebt die Schubkarre mit Pflanzstrauch, stolze Haltung dabei, aufrecht, den Bürgersteig entlang
dreht zackig den Kopf  zu meinem Fenster, glotzt in mein Fenster wie immer und jeder, der vorbei kommt,
dabei die erhobene Hand zum Gruß
in penetranter Art
Hitlergruß, Arbeitergruß, Dorfgruß,
keiner weiß es so genau,
ansonsten Jammerblues,
Klagen in jedem Satz,
Vereinigt Euch ihr Unterdrückten eines Dorfes.
Ich, der
Schmerzensmann bin still.
Nov. 2015

David Bowie

David Bowie – tot
Heldensterben.
Die Nachricht heute Morgen.
Nicht denkbar. Tabu.
Gestern noch
von Dir brandneue Musik,
scheinbar endloses Leben
heute tot, Krebstod.
Es wird eng für mich.
21.01.16

Der Schluß

unsichtbare MS
im Abgang nervig.
Mühsam, Quadratmeterleben.
Berater reden deutlich und laut.
Ärgerliches Alltagswesen, ich.
Störend irgendwie.
Jahr um Jahr
Ein bißchen mehr.
Dem Leben ausgeliefert
Fallen ohne Gegenwehr.
kraftlos.
Die Sinne schwinden,
damit auch die Erinnerung.
Stakkatomelodie. Expressive Zusammenhänge.
Bittersüßes Ohnmachtslächeln.
Wehrlos auf dem Mittelstreifen.
17.05.2017

Leise Park

zwischen den Häusern versteckt,
nicht Friedhof, nicht Spielplatz,
nicht Park.
Entferntes Stadtgekeuche.
Kinderwagenmutter,
Holzpfahltänzelnder Hipster,
Brennessel Liegewiese,
Familiengrab endet mit dem Geburtsdatum von Lisa,
irgendwo anders gestorben,
Kindergräber,
Bei der Mutter begraben
ein „Gefallener“ nach dem Ende des großen Kriegs.
Neu Bänke, verwilderte Wege.
Birkenschaubaum
der Park klemmt zwischen den Immobilien.
Schüler gaben ihm seinen Namen. Leise.
11.08.2017

Leisepark ll

Strassenrauschen,  Kinderwagenfrauen,
Sonne scheint
Birken raunen,
Brennesselglück.
Ein Eis mit Waffel.
Zeitlos in der Stadt.
Lesen.
Touristeninvasion. 5 x Pizza neben mir.
Keine Ruhe mehr im Satdtpark. Für heute.
22.08.2017

Sturmvogel

balanciert in der Luft,
tänzelt beinahe.
Sturzflug ohne
zu stürzen.
Lustig wars und
bitter.
Und so viel Langeweile.
Warten auf das es passiert.
Sehnsüchte, Hoffnungen,
unerfüllt oder doch?
so viel an Zeit
vergeudet.
Jetzt beinahe abgelaufen.
Ja gelebt,
gelebt was immer das war.
20.12.2017

Nach der ersten Nacht

Ankunft der S-Bahn, Greifswalder Strasse,
Morgensonne,
ab und zu
Sirenen von Rettungswagen zerschneiden den
Geräuschteppich,
ein Motorrad gibt Gas.
Von weit unten.
Wir schauen hinab von unserem
Burgfried,
hinunter auf die Stadtdynamik.
Winzige Menschen mit Hunden, Kinderwagen.
Vögel verirren sich zu uns hinauf.
Nach uns nur noch
der Himmel.
Abfahrt der S-Bahn da unten.
22.05.2018

es sind Krähen,
die segeln bis hier hoch zu mir.
Mehr ausversehen.
Hubschrauber fliegen.
unerbittlich brummt ein Antriebsgenerator.
Ameisenmenschen.
Die werden gleich groß, wenn ich da hinunter gehe.
5.06.2018

Deutschland

ich leb in einem Land,
in dem ich
sehr gut leben kann.
Nicht als Asylant, als Kranker
ist es hier wunderbar,
besser als sonst auf
der Welt.
Und dennoch, ich mag es nicht,
diese neidverzerrte Fratze bei
ständig unkontrolliertem Konsum
durchmanipuliert mit abtrainiertem Wissen.
19.06.2018

Ordendekoriert

ein Verdienstorden,
Vaterländischer, eisernes Kreuz
Bundesverdienst-Lametta
egal,
Ehre wem Ehre gebührt,
elegantes Schweigen
erkauft.
Abschiebung in Ehren und wichtig fühlen,
instrumentalisiert
Gebrauchsgegenstand.
19.06.2018

Menschen

Ich kann euch nicht leiden
ihr menschen,
wunderbar.
ihr wisst bescheid
immerzu, überall
ein bißchen daneben,
wunderbar.
19.06.2018

Ein Finger

ragt aus dem Häusermeer
in den Wolkenbreihimmel,
Spatzen zwitschern um ihr Leben,
die S-Bahn gibt Gas,
eine Straßenbahn fährt an,
ihr Fahrplan sagt
ich fahr dorthin
woher du kommst.
19.06.2018

Regensanft

Nebel drückt die Stadt.
unbeirrt.
Regenniesel tröpfelt.
Tagesflat.
Schleiergrauer Himmel.
Fluchtwolken.
Langsam, schnell.
schmutzig, grau,
kompressenhaft.
Gedämpfter Lärm.
12.07.2018

Über der Stadt

träge und leicht
im Intervall
Ampelwellen rollen.
auf und abschwellend,
das Meer.
Kinderlachen auf den Balkonen
hoch auf
den 20 Etagen,
im Haus gegenüber.
Ein Zug mit Bauholz, endlos lang
rattert monoton.
und stets
arglos Vogelzwitschern Singen, Pfeifen immer
in das Geräuschgeflecht.
Heute Nacht war es die Nachtigall.
Hubschrauber Rotoren.
Und dann Sekundenstille.
24.08.2018

Barbara

bist mein Lächeln,
Ein Blick, bist Dein Nacken… bist alles.
In jede Faser hinein verliebt.
theoretisches Verlangen.
mein Trost,
meine Zuversicht,
mein Kamerad, mein Freund,
mein Verstehen,
mein Licht.
Dir die Liebe zurückzugeben ?
Keine Zeit bleibt,
die Tage, die Wochen,
die Monate sind kostbar.
Oktober 2018

Oktober 2018

Sonne mild inzwischen.
Sanft am Morgen durch
Nebelfäden hindurch,
Herbst auf der Überholspur.

Berlin ein Nebelreich.
Hochhausfinger
verlieren sich,
die Stadt versucht zu atmen.
Aufschub.
Wieder ein Jahr existiert.
Es ist spät.
14.10.2018

Verborgener Schatz

wie waren Deine Worte leicht,
noch vor Wochen.
beinahe mädchenhaft,
sie schmeckten nach
Sommergarten.
Und zärtlich waren sie;
so zart gewoben, dahin gehaucht,
die Sinnlichkeit hatte ihren Namen.
Wilde Jagd der Halbwertzeit.
atemberaubend der Zerfall,
Worte zur bedeutungslosen
Floskel ruiniert.
Einen Moment schien es,
als glaubtest Du und ich
an sie.
Taumelnd vor Glück.
derart wiederbelebt.
Blätterstaub und Faltenhände,
kein verbotener Blick
auf Dein
geheimnisvolles Reich.
Deine Lippen werde ich
niemals schmecken.
Die Erinnerung löschen, sie verbrennen, bevor sie
sterben muß! Schnell, Schnell.
Aber Du bleibst.
23.10. 2018

Traumgeboren

der Glücksmoment!
sinnlich, zart, begehrenswert und
schön,
Du bist das Abenteuer
der Fantasie.
Mein Herz quillt über.
Resonanz und Vibration.
Das Glück bei Dir, erleben.
soeben, jetzt,
und meines wird
verwunschen sein.
Oktober 2018

Sommer 2018

Sonne im Rausch,
von April bis November,
kein Innehalten.
Elemente demonstrierten ihr Macht.
Der Mensch, so klein, so schwach.
So jämmerlich.
Und die Sonne brennt.
14.11.2018

Liebe kompliziert

zeitweise verschüttete Liebe,
in unserer Konzentration verloren
doch
stets groß genug, um normal zu sein.
jetzt begrenzte Unendlichkeit
in Deinem Blick Trauer bei all
dem Ärgernis.
Wehmut. Liebe Schmerz.
16. Nov. 2018

Es wird Zeit

Die Zeit ist reif,
gepflückt zu werden.
bin mir fremd geworden
schwarze Krähen schweben.
Im Morgenozean meiner
stumpfen Träume.
Tag erwacht im Novemberdunst und der
wird bleiben.
16.11.2018

Funktionstag

Freitag Vorbereitung, Routine, Abläufe,
die Mechanik funktioniert,
die Ärzte und Schwestern funktionieren
ein Zugang wird gelegt.
Ich funktioniere.
Alles für diesen Montag
an dem es geschehen wird
der alles für Dich
verändern wird.
Das Wochenende, die Wartezeit, da
wird nichts sein.
Zwischenzeit.
Leere.
Warten auf das Ereignis.

Der Weg danach wird schwer,
führt ins Ungewisse,
es gibt nur noch eine Zahl im Roulette.
Die Schönheit, Momente. Innehalten,
die Wahrnehmung,
Empfinden,
Kristalltropfen klar,
Worthülsen.
Schönheit erkennen, genießen,
Sekunden.
Sie gibt es!
30.11.2018

C.

Ich habe heute nach dem Sinn gesucht
Und habe
Nichts gefunden.
Mein Verstand liegt brach.
Ich klage nicht
Flüstere Deinen Namen,
Kein Wiederhall
mehr,
Bist verstummt;
Bis ich komme.
Netzspuren zerfließen
allmählich wie alles andere
In der
Unwirklichkeit.
Warst Du? Ja, Du warst, großvatergleich,
einen Augenblick lang,
Brennst ja immer noch auf meiner
unberührten Haut.
28.11.2018

Novembertrüb

gedachte Berührung.
Gefangen im eigenen
Schling.
Abgebrochene Verständigung.
Die Begegnung war tief.
Sternschnuppen gleich.
Noch nicht gefunden,
verdammt,
so verloren an Dich.
23.11.2018

Verlieren

Ich habe Angst um Dich!
Ich weiß nicht wohin ich
weinen soll.
Lautlose Schreie
in mich hinein.
Ich kann Dir nicht helfen.
Wut, Ohnmacht,
tropfende Nase.
Dabei wolltest Du um mich weinen.
Strandgut, einsame Seelen
konnten sich nicht finden
in der Wirklichkeit,
zweier ausgefranster Leben.
29.11.2018 

Der andere Blick

Du willst allein sein,
den Kampf der Kämpfe
fechten ohne mich.
Trost möchtest Du
von Lieben anderen,
der Familie.
Bin nur ein Tollwutfuchs,
der selber getröstet werden will. Ohnmacht, hilflose Worte.
Beim ersten Blick erkennen und wissen,
wir sind uns so nah.
29.11.2018

Die machbare Welt

Morgennebel, drohende
Sonne, marsrot ausgemalt,
ein Sonnenaufgang vorbei,
vertan die Frische,
ich trinke Kaffee
und kann es hören,
das Hämmern und Dröhnen
in Deinem Kopf.
Gewissheit am Montag endlich.
Beraubt und endlos weiter.
29.12.2018

Sphärengleiterin

du brauchst keinen Halt,
Lebensgier,
fassungslose Weiten,
abgegrenzt,
die Schotten schließen,
Frieden finden,
Du schwebst durch deinen Geist,
du weißt genau, was schön ist.
ich kann Dir kaum folgen,
entschwindest mir,
so wunderbar.
29.12.2018

Würde

pflegeleicht im Meer entsorgt,
deine Asche
im Urnenhaus da unten.
Schwierige Charakter –
Du und ich.
Trauer, Mitleid –
Achtung,
beinahe liebevolle Gedanken.
Deine Würde nahmen sie
als Du gar nichts mehr hattest,
weil sie hassen, die Sieger und
die Dummen.
Du kluger, kluger Vater,
emigriertest in Deine Welt.
starbst so zehn Jahre lang dahin,
weil Kleingeist
richten durfte
über Dich. Dummes Siegerheulen.
Nun hast Du endlich Frieden,
mein Räuberkommissar mit 4.
14.02.2019

Vorfrühling Damp

Das Blut
in den Adern
wie heiße Asche
brennt.
Die See regenwild.
Mit doppeltem Horizont
unbeeindruckt von mir,
Schäumt nur sanfte Wut.
Möwen segeln, schweben.
stürzen, schreien,
ziehen Strichcodes,
tanzen im Wind.
Schaumkronenreigen,
Wellen fliehen vorm Wind,
Klatschen auf
aufgewühlten, grauen Strand.
Feige Promenadengänger.
Keine Muschelsucher, heute.
Dennoch zufrieden
mit sich.
März 2019

Kur

Die durchs Raster fallen
sind hier
mit mir.
Sport, Ergo,
Frische Luft,
Tollerei und schlechtes Essen ,
Nachmittagskaffee.
Freitags Fisch,
Kein grüner Tee
Schlechter Schlaf.
3 Wochen lang kompakt.
19.03.2019

Verdienstorden

Schweigeorden dekoriert,
die Dissidentenbrust verrät
den Korruptionsversuch.
Der kritische Blick einst,
weichgespült,
noch schicke Frase.
Alles schön, alles gut,
Bla, bla, bla,
Selbstgerecht und Dröge.
Kritische Sicht? Worauf? Wozu?
Nein, nicht ich.
Ich habs verdient.
Ein Schweigeorden Wunder
ist passiert.
Ich nenn’s charakterlos.
10.04.2019

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